„Chronik des Hasses – Vorstellung des Jahrbuchs Rechte Gewalt“ – Bericht zum Vortrag von Andrea Röpke vom 26.01.2017

Die seit einigen Jahren stark angestiegenen Angriffe auf Geflüchtete, aber auch die zunehmenden gegen ehrenamtliche HelferInnen und PolitikerInnen gerichteten Übergriffe und Bedrohungen zeigen deutlich, dass die kontinuierliche Beschäftigung mit dem Thema „rechte Gewalt“ dringend notwendig ist. Daher hatte der Runde Tisch gegen Rassismus Dachau e.V. Andrea Röpke  zu einem Vortragsabend im Ludwig-Thoma-Haus eingeladen, bei dem sie ihr kürzlich erschienenes Jahrbuch zur Rechten Gewalt vorgestellt hat.

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Mi, 15.03.17: – „Ernst Grube – Zeitzeuge. Von einem, der nicht aufgibt“ (Filmvorführung und Gespräch)

Filmvorführung und Gespräch in der KZ-Gedenkstärtte Dachau – 15. MÄRZ 2017, 19 UHR

Ernst Grube ist einer der bekanntesten Münchner Zeitzeugen der NS-Diktatur. Er erlebte seine Kindheit in der bayerischen Landeshauptstadt als einer, der ausgegrenzt wurde, der in Lagern mitten in München leben und den gelben Stern tragen musste. Zusammen mit seiner jüdischen Mutter und seinen beiden Geschwistern wurde er 1945 nach Theresienstadt deportiert. Bis heute ist Ernst Grube unermüdlich als Zeitzeuge an Gedenkstätten, in Schulen, bei Vereinen und in Bildungseinrichtungen aktiv.

Er nimmt das Vermächtnis der NS-Opfer ernst: Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg, lautet seine Botschaft. Seit Jahrzehnten wirkt Ernst Grube auch im Umfeld der KZ-Gedenkstätte Dachau mit: Im Präsidium der Lagergemeinschaft, im Kuratorium der Evangelischen Versöhnungskirche, im Vorstand des Fördervereins für Internationale Jugendbegegnung und Gedenkstättenarbeit, bei der Internationalen Jugendbegegnung, im Max-Mannheimer-Haus, im Kuratorium der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, am Runden Tisch für Zeitgeschichte und am Runden Tisch gegen Rassismus.

Der 60-minütige Dokumentarfilm von Christel Priemer und Ingeborg Weber begleitet Ernst Grube. Entstanden ist ein berührendes Porträt über den Münchner Juden und Kommunisten Ernst Grube und ein Zeichen für Toleranz, Freundlichkeit und Abkehr von Gewalt und Krieg.

Mittwoch, 15. März 2017, 19 Uhr, Kinosaal der KZ-Gedenkstätte Dachau Einlass 18.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Flyer (PDF)

 

Veranstaltungsreihe 2017 – Facetten Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit

Donnerstag, 26.01.2017 – Andrea Röpke „Chronik des Hasses – Vorstellung des Jahrbuchs Rechte Gewalt“

Der rechte Mob ist entfesselt. Insbesondere in den Jahren 2015 und 2016 sind rechtsextreme Gewalttaten sprunghaft angestiegen. Wer sind jedoch die Tätergruppen und wie gehen sie vor? Andrea Röpke liefert mit ihren Reportagen und Porträts eine umfassende Chronik der Hassverbrechen in Deutschland und beleuchtet dabei Hintergründe, Tätergruppen und Vorgehensweisen.

Info zur Referentin: Andrea Röpke ist eine mehrfach ausgezeichnete Fachjournalistin und kennt wie kaum jemand sonst die extreme Rechte in Deutschland, zu der sie zahlreiche Artikel und Bücher veröffentlicht hat.

Referentin: Andrea Röpke
Ort: Erchana-Saal, Ludwig-Thoma-Haus, Augsburger Str. 23
Beginn: 19:00 Uhr

Donnerstag, 23.02.2017 – Vortrag von Juliane Lang zu „Antifeminismus von Rechts“

Im selbsterklärten „Kampf gegen Gender und den Feminismus“ und mit populistischen Forderungen zur Besserstellung „deutscher Familien“ verspricht sich die extreme Rechte strategisch Wähler*innenstimmen und den Anschluss an Diskurse in der sog. „Mitte der Gesellschaft“. Extrem rechte Akteure bewegen sich hier in einem Fahrwasser mit Familienpopulist*-innen und Antifeminist*innen unterschiedlicher politischer Couleur: „Besorgte Eltern“, Maskulisten, fundamentalistische Christ*innen und nicht zuletzt Teile der bürgerlich-konservativen Presse scheinen sich einig in der Ablehnung der gelebten Vielfalt geschlechtlicher, sexueller und familialer Lebensweisen.

Juliane Lang diskutiert Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Strategien der verschiedenen Akteure, informiert über deren Einfluss auf gesellschaftliche Prozesse und zeigt Reaktionsmöglichkeiten auf.

Info zur Referentin: Juliane Lang gehört dem Forschungsnetzwerks Frauen und Rechtsextremismus an und ist in diesem Themenfeld eine ausgewiesene Expertin.

Referentin: Juliane Lang
Ort: Bürgertreff Ost, Ernst-Reuter-Platz 1
Beginn: 19:00 Uhr

Donnerstag, 16.03.2017 – Vortrag von Karin Gottschalk zu „Homo- und Transfeindlichkeit in deutschen Medien“

Diskussionen um Geschlechtsidentitäten und sexuelle Orientierung stehen oft stellvertretend für gesamtgesellschaftliche Debatten. Vorwiegend islamisch geprägte Länder werden aufgrund diskriminierender Gesetze gegenüber Homosexuellen gerügt.

Viele betonen ihre einige Offenheit, um sich von Rechtskonservativen wie der AfD abzugrenzen. In anderen Fällen wird sexuelle Vielfalt bewusst thesenartig und zugespitzt behandelt. So titelte die „Welt“: „Professx statt Professor? So irre ist das nicht!“ – obwohl nur kurz zuvor in derselben Zeitung der „Genderwahn“ ausgerufen wurde.

Während manche Thesen bewusst polarisieren sollen, entstehen manche schlicht aus Unwissenheit. Was zählt, ist ein neues Bewusstsein – innerhalb der Medien und als einzelne_r Leser_in.

Info zur Referentin: Katrin Gottschalk ist stellvertretende Chefredakteurin der tageszeitung (taz)

Referentin: Katrin Gottschalk
Ort: Erchana-Saal, Ludwig-Thoma-Haus, Augsburger Str. 23
Beginn: 19:00 Uhr

Hinweis:

„Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, sind von der Veranstaltung ausgeschlossen.“

Bericht zum Vortrag von Dr. Robert Philippsberg – „Rechte Gewalt in Deutschland“ vom 13.07.2016

Der Runde Tisch gegen Rassismus e.V. hat am 13.07.2016 einen Vortragsabend zu dem Thema „Rechte Gewalt in Deutschland“ im Adolf-Hölzl-Haus veranstaltet. Referent war Dr. Robert Philippsberg, pädagogischer Mitarbeiter im Kreisjugend Dachau, der zum Demokratieschutz in Deutschland promoviert hat und sich dabei ausführlich mit Geschichte und Gegenwart des Rechtsterrorismus in Deutschland befasst hat. Er ist zugleich freier Mitarbeiter in der Fachinformationsstelle Rechtsextremismus (firm) in München sowie Asscoiate Researcher am Centrum für angewandte Politikforschung (C·A·P) und Autor mehrerer Publikationen zum Thema „Rechtsextremismus“.

Philippsberg begann seinen Vortrag mit einer Erläuterung über den Terrorismusbegriff, für den es in der Wissenschaft und in staatlichen Behörden unterschiedliche Definitionen gibt und zeigte auf, welche spezifischen Merkmale den Rechtsterrorismus kennzeichnen. Dabei wies er darauf hin, dass es für die Sicherheitsbehörden entscheidend sei, ob eine Vereinigung über eine feste Gruppenstruktur und eine Planungsintensität bei ihren Anschlägen verfügt, um als terroristische Organisation eingestuft zu werden. Aufgrund dieser Vorbedingung gilt z.B. der rassistische Brandanschlag in Solingen aus dem Jahr 1993, bei dem fünf Menschen starben und acht zum Teil schwer verletzt wurden, nicht als terroristische Tat. Anschließend erläuterte der Referent die verschiedenen rechtsextremen Straftatbestände und ging auf die staatliche Ermittlungsarbeit ein. Diese ist auch nach dem Bekanntwerden der schweren Ermittlungsdefizite zur rechtsterroristischen Vereinigung „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) verbesserungsbedürftig, da Ermittlungs- oder Justizbehörden eine offensichtlich rassistisch motivierte Tat noch immer zu häufig nicht als solche klassifizieren, wie Untersuchungen der Amadeo Antonio Stiftung aus den Jahren 2012 und 2013 nahe legen.

Im Anschluss daran ging Philippsberg auf die aktuelle Situation rechter Gewalt in Deutschland ein und informierte über die Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte, die sich von 2014 auf 2015 verfünffacht haben. Die Aufklärungsquote dieser Verbrechen bewegt sich auf niedrigen Niveau. Er machte in diesem Zusammenhang auch auf den deutlichen Anstieg an rechtsextrem motivierten Anschlägen gegen PolitikerInnen und JournalistInnen in den letzten Jahren aufmerksam. Nach dem Blick auf die gegenwärtige Situation ging der Referent auf die historische Entwicklung rechter Gewalt ein indem er dessen verschiedene Facetten aufzeigte. Dabei wurde deutlich, dass sich rechtsterroristische Gewalt in Deutschland keineswegs auf den NSU beschränkt, sondern über einen langen geschichtlichen Vorlauf verfügt. Dazu zählt z.B. das Oktoberfestattentat vom 26. September 1980, das mit 13 Toten und 211 zum Teil schwer verletzten Personen der bislang verheerendste Terroranschlag in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ist. Außerdem gab es nach Recherchen der Amadeo-Antonio Stiftung seit 1990 178 Personen, die durch rechte Gewalt ihr Leben verloren haben, wovon die Bundesregierung aufgrund anderer Erfassungskriterien bisher nur 75 Todesopfer anerkennt. Im Anschluss an den geschichtlichen Rückblick ging der Referent auf die besonderen Merkmale des NSU im Rechtsterrorismus ein und erläuterte, welche potenziellen Rekrutierungsfelder zukünftig für die Herausbildung rechtsterroristischer Organisationen oder Einzeltäter bestehen.

Insgesamt veranschaulichten die Ausführungen des Referenten den Zuhörerinnen und Zuhörern, dass rechte Gewalt in Deutschland ein bedeutsames Problem darstellt, das trotz staatlicher und zivilgesellschaftlicher Programme zur Rechtsextremismusprävention bislang nur unzureichend in den Griff bekommen wurde. Im Anschluss an den Vortrag gab es eine Diskussionsrunde an der sich die Zuhörerinnen und Zuhörer ausgiebig beteiligten.